Erfahrungsberichte

Das sagen Freiwillige über ihren Freiwilligendienst...

Die meisten Freiwilligen sehen ihren Freiwilligendienst als persönlichen Gewinn. Hier möchten wir einige von ihnen zu Wort kommen lassen, denn niemand kann besser vom Erlebten berichten als die Freiwilligen selbst.

 

>>Als Vertreter der Generation 60 Plus, der „jungen Alten“, habe ich die Möglichkeit genutzt, den Übergang von meiner langjährigen Tätigkeit als Teamleiter in einer Bank in den Ruhestand über einen Freiwilligendienst aktiv zu gestalten. Diesen Freiwilligendienst aller Generationen (FDAG) gibt es in dieser Form bisher nur im Bundesland Sachsen. Ich zitiere

aus einem kleinen Kärtchen, das ich am ersten Tag meines Freiwilligendienstes von meiner Chefin erhielt: „Lieber Detlef, Selbständigkeit, Ideen und Tatkraft gepaart mit einer guten Kommunikation sind bei uns gefragt. Ich freue mich darauf.“ Ich kann mich noch gut an meine Gefühle erinnern, als ich diese Worte damals las: Ich hatte das starke Gefühl, willkommen zu sein, gebraucht zu werden. Ich hatte zugleich aber auch das Gefühl, dass von mir einiges erwartet wurde.

Womit habe ich mich in meinem Freiwilligendienst beschäftigt? Dreizehn Monate lang kümmerte ich mich 20 Stunden in der Woche um die Öffentlichkeitsarbeit im LEONARDO BÜRO SACHSEN an der TU Dresden. Dieses überregionale Büro vergibt Stipendien im Rahmen von Erasmus­ Plus an Studierende, die ein Praktikum im europäischen Ausland absolvieren wollen. Mein zweiter Einsatz erfolgte an der Akademie für zugewandte Pädagogik in Dresden-Nickern. Dort kümmerte ich mich zehn Stunden in der Woche um die Kreativwerkstatt „PAPEO“, in der Kinder und auch Erwachsene aus Abfällen wunderbare kreative Dinge entstehen lassen. Eine Frage habe ich mir immer wieder gestellt: Was zeichnet oder was sollte einen Freiwilligen auszeichnen? Ich finde meine Antwort aus meinen persönlichen Erfahrungen. Es fallen mir sofort drei Stichworte ein. Ein Freiwilliger ist neugierig, ein Freiwilliger sucht soziale Kontakte, ein Freiwilliger übernimmt Verantwortung.

Wie sehen nun einige meiner persönlichen Erfahrungen aus?

Erstens:

Ich bin immer offen gewesen für Neues, Unbekanntes, ich bin neugierig auf das, was mich erwartete. Meine Überzeugung ist: Neugier hilft, Wissen zu vermehren, Erfahrungen zu vertiefen, Neugier hilft, Fähigkeiten und Fertigkeiten auszuprägen, Neugier hilft letztlich, Zusammenhänge besser zu verstehen. Mein FAZIT:  Aus meiner Sicht ist neugierig sein eine gute Investition in die berufliche Zukunft.

Zweitens:

Mir war stets wichtig, miteinander zu reden und noch wichtiger, nachzufragen, wenn etwas unklar war. Ich habe solange nachgehakt und konkrete Fragen gestellt, bis ich die Sache verstanden habe. Das heißt, ich habe das Gespräch selbst aktiv gesucht, um beispielsweise Probleme zu lösen oder zusätzliche Informationen zu erhalten. Zuhause mit dem Partner über die Probleme in

der Einsatzstelle zu sprechen ist sicherlich nicht die schlechteste Variante. Aber konkret mit den Personen zu sprechen, mit denen ich zusammenarbeite, ist nach meiner Erfahrung die bessere Variante. Denn dann kann man den Feierabend wesentlich entspannter genießen. Mein FAZIT: Die Zeit für Gespräche muss sein, auch wenn es manchmal so scheint, dass es diese Zeit in der Einsatzstelle nicht gibt.

Drittens:

Nach meiner Erfahrung ist eine als angenehm empfundene Kommunikation das Ergebnis meiner positiven Grundhaltung zu dem, was und wie ich es sage. Es wird in den Einsatzstellen immer wieder Konflikte geben, mit Sicherheit gibt es unterschiedliche Auffassungen und Erfahrungen zu konkreten Vorgängen, die auch einmal heftig aufeinander prallen können. Hier mit einer Trotzhaltung zu reagieren wäre falsch. Besser ist es, zu begründen, warum ich diese Auffassung vertrete. Sie können sicher sein, dass Sie viel auf dem Gebiet der Kommunikation dazulernen werden. Ich selbst konnte wieder einmal erfahren, dass Kommunikation Beziehungsarbeit – die Betonung liegt hier auf Arbeit - bedeutet. Es besteht die einmalige Möglichkeit, konkrete Erfahrungen zu sammeln, wie kompliziert der Austausch von Informationen und Gedanken manchmal sein kann zwischen dem Sender und dem Empfänger der Information. Mein FAZIT: Ich bin für mich verantwortlich, kommuniziere aktiv und gebe nicht auf. Damit schenken wir Freiwilligen etwas sehr Wesentliches, Stärkendes an andere und letztlich auch an uns selbst. Ich spreche hier vom Durchhaltevermögen, vom Aufeinanderzugehen, vom Zuhören, vom Akzeptieren anderer Meinungen. Ich erhalte einen anderen Blickwinkel auf Dinge und Prozesse. Und ich komme zu der Erkenntnis: „Ich hätte nie gedacht, dass ich das kann!“

Bei meiner Recherche in Internetforen zu den verschiedenen Freiwilligendiensten ist mir aufgefallen, dass eine Aussage immer wieder formuliert wird. Auch ich kann dies durch meinen Freiwilligendienst bestätigen: Wir Freiwilligen zeigen, dass wir soziale Fähigkeiten besitzen und nicht nur an uns selbst denken. Das sind Eigenschaften, die in allen Berufen, nicht nur in den sozialen Berufen, gefragt sind, soziale Kompetenz, Empathie, Einfühlungsvermögen. An dieser Stelle mein Dank an Frau Jebens und Frau Fliegel für die angenehme und inspirierende Zusammenarbeit in der Zeit meines Freiwilligendienstes. Ihre Wertschätzung, ihr Einfühlungsvermögen, welches beide uns Freiwilligen entgegenbringen, beeindruckt mich sehr. Ich fühlte mich stets ernst genommen mit meinen Fragen, Gedanken und Gefühlen. Dank auch für die Bildungstage. Es war eine schöne und anregende Zeit für mich. Ich habe es freiwillig getan und es hat mir Spaß gemacht.<< (Dr. Detlef Meyer, Freiwilliger im FDAG)

Katja Jasny

"Die praktische Erfahrung im Freiwilligendienst bestärkt mich in meinem Entschluss, soziale Arbeit zu studieren. (...) Die Arbeit mit den Kindern ist sehr abwechslungsreich und anstrengend, zugleich aber auch wahnsinnig schön und vor allem oft witzig und lebensfroh. Für die Arbeit im Waldorfkindergarten habe ich mich entschieden, weil ich mich für alternative Pädagogikformen interessiere, bisher aber noch keine praktischen Erfahrungen mit ihnen machen konnte. (...) Außerdem finde ich besonders nennenswert, dass man im regen Austausch mit anderen jungen Menschen ist, die einen in diesem Jahr begleiten, sodass man Freundschaften knüpfen kann und Menschen kennenlernt, mit denen man unter anderen Umständen nie in Kontakt treten würde." (Katja, FSJ in einer Kita)

Sophia Jäger

 

"Das FSJ war eine tolle Zeit - mit Humor und Heiterkeit." (Sophia, FSJ 'Chance')

Hartmut

 

"Ich kann auf sechs wunderbare Monate Brückenzeit zurück zu schauen. Eine sehr schöne Einsatzstelle, tolle Kollegen und das wertvollste, wunderbare Kinder, die mir Vertrauen, Offenheit, Ehrlichkeit entgegengebracht haben." (Hartmut, FDAG in einem Hort)

Ayla Warmbrunn

 

"Durch das FSJ 'Chance' habe ich meine Berufung gefunden, meine Fähigkeiten erweitert und neue entdeckt. Ich habe mir meine Ziele jetzt neu gesteckt und die will ich erreichen! Der Weg wird lang und steinig sein, aber ich werde ihn dennoch beschreiten." (Ayla, FSJ 'Chance')

 

"Das FÖJ insgesamt war eine sehr gute Erfahrung und ich empfehle es auch anderen weiter. Man bekommt einen guten Einblick in die Arbeitswelt, wird aufgrund täglicher Routine und eigener Verantwortung selbständiger. Die Gruppenarbeit in den Seminaren fördert außerdem ungemein die Teamfähigkeit ..." (Andreas, FÖJ)

"Als sich herausstellte, dass ich für ein Jahr nach Polen gehen werde, waren all meine Bekannten, Verwanden und Freunde entsetzt. Polen, warum Polen? (...) Ich hatte noch nie Polnisch gesprochen oder gelernt, keine wirklich Ahnung von den Menschen, der Kultur und dem Land. Ok, man hört das Eine oder Andere in der Schule, aber so richtig hat man sich nie mit seinem Nachbar beschäftigt. Dies wurde mir auch immer bewusster, je näher der Termin meiner Abreise kam. Mit diesem Bewusstsein kommen einem dann Zweifel, Ängste und vor allem Unsicherheit. (...) Du musst rausgehen und dein Glück selbst in die Hand nehmen, du musst Polen halt lieben und leben lernen. Eigeninitiative spielt hierbei eine ganz große Rolle. Du kannst richtig coole Projekte organisieren und Sprachanimationen, aber hierfür musst Du dich einfach ein wenig einsetzen. Du kannst dich einfach richtig ausprobieren in jeder Hinsicht und du entdeckst dich somit von einer neuen Seite, welche dir neue Weichen für deine Zukunft stellen kann. (...) Also wenn mich jetzt jemand nochmal fragen würde, wo ich gerne einen Freiwilligendienst abliefern will, dann ist meine Antwort definitiv POLEN." (Ariane, IJFD in einer polnischen Schule)

"Ich sehe, dass meine Arbeit für die Einrichtung und die behinderten Menschen wichtig ist und ich selbst Erfolgserlebnisse habe, die gewürdigt werden." (Ulrike, FDAG in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung)

"Da ich noch nie vorher mit behinderten Menschen gearbeitet hatte, war das Jahr eine vollkommen neue, aber sehr hilfreiche Erfahrung für mich. Im Laufe des Jahres offenbarten sich mir, auch unter Mithilfe meiner Kolleginnen, Fähigkeiten, von denen ich nie erwartet hätte, dass diese in mir schlummern." (Lydia, FSJ in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung)

"Für mich war der Freiwilligendienst: Dazugehören, Freude, Gewinn an Selbstvertrauen." (Dorit, FDAG)

"Das Wichtigste aber, was ich in diesem Jahr gelernt habe, ist, dass es immer irgendwie geht, dass man immer irgendwie weiterkommt, dass man nicht so viel Angst vor neuen Herausforderungen haben sollte und dass es sich im Endeffekt meistens lohnt. (...) Insgesamt bin ich sehr glücklich hier in Polen und ich kann jedem nur empfehlen: Packt eure Koffer, lernt neue Leute kennen, probiert euch an einer fremden Sprache und stellt euch neuen Herausforderungen, egal, ob in Polen, Ecuador oder Südafrika - es lohnt sich!" (Mirke, IJFD in einer polnischen Kita)

"In der Naturschutzstation wurde ich vom ersten Tag an behandelt wie ein Teammitglied und zahlreiche neue Aufgaben sollten durch mich erledigt werden. Es wurde mir sofort vermittelt, dass ich gebraucht werde. Meine Arbeiten wurden stets gelobt, was sich natürlich entscheidend auf mein Selbstwertgefühl auswirkte.(...) Am besten gefiel es mir, dass jeder Einzelne Vorschläge für die Seminarplanung machen konnte und diese zu einer Vielzahl auch umgesetzt wurden.(...) Vor allem die positiven Feedbacks meiner Mitarbeiter haben mich immer wieder aufgebaut und sicherer gemacht, darüber bin ich sehr froh. Selbstzweifel waren gestern - und genau aus diesem Grund beginne ich jetzt meine Ausbildung, die ich vorher aus Angst vor der psychischen Belastung nicht annehmen konnte." (Ricarda, FÖJ)

 

Nicole Becken

 

"Es vergeht kein Tag, an dem man sich langweilen könnte. Doch trotz der hohen Anforderungen macht es sehr viel Spaß, die strahlenden Gesichter, der zu betreuenden Bewohner jeden Tag zu sehen." (Nicole Becken, FSJ 'Chance')

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